|
|
|
09.10. - 30.10.04 Die virtuelle Schweiz Vom 09.10.04 bis zum 30.10.04 zeigte uns der Pfälzer Künstler Tobias Mohr anhand von Malereien, Zeichnungen und Objekten das die Schweiz in Wirklichkeit nur virtuell existiert. Das zweite Mal beehrte Tobias Mohr die Galerie Feinkunst Krüger. Nachdem er uns beim ersten Mal die "Wahren Helden" nahebrachte, nämlich Fußballer aus einer Zeit als der Fußball noch Männersport war, nahm er sich diesmal eines hochbrisanten Themas an. Die Schweiz und deren angebliche Existenz bzw. Nichtexistenz bzw. virtuelle Existenz. Irritierend, erzählerisch und brillant erschienen Zeichnungen und Malerei Tobias Mohrs, der seine Arbeiten stets in Werkgruppen und -komplexen entwickelt, die beispielhaft für Ganzes, als exakt gezeichneter Ausschnitt stellvertretend und signifikant für Strukturen und Zusammenhänge stehen. Eine ergiebige Fundgrube für solche, aus Erzähl- Kontextsituationen, heraus lösbare Bilder bietet die Flut von Medien- insbesondere Fernsehbildern. Es ist der Blick des Künstlers auf diese fast allgegenwärtigen Situationen und wohlbekannten Bilder, seine höchst eigene und persönliche Transformierung dieser Bilder in seine Malerei, der fast karikierende oder unreale Moment, der Alltägliches zur Fiktion und fantastisch Erdachtes zur Realität werden lässt. Durch diesen ihm eigenen Umgang mit den Medien und deren Umsetzung in seine Kunst definierte Mohr seine eigene Position sehr deutlich. "Die virtuelle Schweiz" von Tobias Mohr Wie jedermann bekannt, logierte Vladimir Iljitsch Lenin in den Jahren seines erzwungenen Schweizer Exils in Zürich. Was nun weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass hier - Auge in Auge mit dem Treffpunkt der Dadaisten, dem Cafe Voltaire in Zürich - eines Morgens mehrere berühmte Dadisten und besagter Lenin mit wodkaschwerem Kopf das größte dadaistische Kunstwerk der Geschichte aus der Taufe hoben: die große und ruhmreiche Sowjetunion! Wesentlich interessanter ist aber die Erkenntnis, dass nicht nur Lenin in der Schweiz eben jene Sowjetunion erfand, sondern dass diese Schweiz tatsächlich nicht einmal existiert. Die Schweiz ist virtuell, genauso wie Wilhelm Tell, Heidi, der Almöhi und Grasshoppers Zürich! Ein Land, das seine angebliche Existenz der Laune irgendwelcher bierseliger Trunkenbolde und einem Mord verdankt, ein Land, dessen angebliche Bewohner kaum verständlichen Kauderwelsch brabbeln, ein Land, das Namen beherbergt wie "Schwyz", "Uri" oder "Innerhoden", ein Land, dessen männliche Bewohner "Guido", "Urs" oder "Felix" heißen, ein Land, das seine Fußballclubs "Grashoppers", "Xamax" oder "Young Boys" nennt, kann solch ein Land tatsächlich existieren? Nachforschungen bei UNO, NATO, EU und anderen wirklich wichtigen Institutionen haben alle das gleiche ergeben: Nirgends gibt es eine Schweiz! Um nun diese Tatsache etwas erträglicher zu gestalten, habe ich eine neue, poppige und durch ihre Virtualität extrem leicht zu handhabende Schweiz entwickelt. Sie wollen Schweizer werden, bitteschön, kein Problem, und nicht mal Blocher kann was daran ändern. Wer diese schöne Schweiz sehen will, wer seine Seele an schöner Alpenromantik und herzigen feschen Schweizermädeln und Buben erfreuen will, wer eine Schweiz sehen möchte, ohne Vignetten und böse Abzocke, der sollte sich unbedingt meine virtuelle Schweiz betrachten. Weil: Wilhelm Tell ist virtuell. |
![]() ![]()
|