15.04. - 06.05.06
Les fantômes de ...

Vom 15.04. bis zum 06.05.06 zeigte die Heidelberger Künstlerin Natalie Huth den, aus 72 Bildern bestehenden, Arbeitszyklus "Les fantômes de ..." zum ersten Mal als Gesamtwerk.

fantôme: Phantom, Gespenst, Hirngespinst. Das Ausgangsmaterial von Natalie Huth’s Portraits sind sowohl alte, private S/W Portraitfotografien der eigenen Familie, als auch die anonymer Menschen die sie auf Flohmärkten findet. Diesen alten Fotografien scheint ein Geheimnis innezuwohnen, eine geheimnisvolle Botschaft, eine verrätselte Tiefgründigkeit. Sie versucht das was sie in den Fotografien entdeckt, sichtbar zu machen. Frei nach dem Motto "Ich sehe was, das du nicht siehst", werden Personen aus ihrem ursprünglichen Kontext isoliert, die Umgebung, die Gesichter und die Identität gelöscht. Auch der Sinnzusammenhang wird durch die Übertragung in ein anderes Medium, nämlich das der Zeichnung, verändert.

Huth inszeniert dabei eine unheimliche Atmosphäre, eine unheilvolle Stimmung. Das Unheimliche wird aus dem Alltäglichen heraus entwickelt bis das Vertraute merkwürdig fremdartig erscheint. Die Portraitierten verwandeln sich in Geister, Gespenster, ohne Gesicht, ohne Identität. Sie wirken neu inszeniert wie Untote, wie verlorene Seelen, die keine Ruhe finden. Im übertragenen Sinne stehen sie für unterschiedliche Aspekte des Verdrängten, und das Verdrängte kehrt eben so lange zurück bis man sich seinen Dämonen stellt.
Dabei sind die Portraits keine Freakshow und kein Kuriositätenkabinett, es geht nicht um die Präsentation von Absonderlichkeiten, sondern um das Sichtbarmachen von verdrängten Verletzungen, Ängsten, Leiden und Abgründen.
Passend dazu die Arbeitsweise mit der Huth ihre Zeichnungen anfertigt. Sie verletzt das Papier, indem sie mit der Feder die rote Tusche ins Papier kratzt und ritzt. Anschließend läßt sie mit Hilfe einer bestimmten Technik die im Papier versickerte Zeichnung wieder "hervorbluten". Die zum Teil makabren Gespensterportraits changieren zwischen Ernst und Ironie und reizen gleichermaßen zum Lachen wie zum Nachdenken.

Natalie Huth verwies in ihren Zeichnungen auf die tragischkomische Seite der Existenz und ließ gerne hier und da Galgenhumor aufblitzen. Es gab keine eindeutige oder verbindliche Lesart ihrer Zeichnungen, die unterschiedlichen Assoziationen und die Viel- und Mehrdeutigkeit waren das Wichtige und Aufregende in ihren Bildern.